Mittwoch, 27. Juni 2012

Wohnung

Blick auf den Prado, wo immer die Demos sind. Und oben dran: El Alto.

                                                         












Der Blick Richtung Illumani - leider grad in den Wolken, normalerweise ist da irgendwo ein Berg mit Schnee.

Und noch in die andere Richtung - gegenüber vom Prado.



Ausblicke aus unserer eiskalten Wohnung im 10. Stock.

Sonntag, 24. Juni 2012

De Tu Querida Presencia

Wenn mich Bolivianer fragen, was ich von Bolivien halte, wie es mir gefällt und was ich hier mache, ist es nicht so einfach zu Antworten. Ich bin gerne hier. Habe eine eigene Wohnung im Zentrum. Kann zwar noch lange nicht perfekt Spanisch, aber bekomme fast alles mit und kann mich verständigen. Ich liebe den Sommer, aber hier ist jetzt Winter. Die Wohnung ist kaum isoliert, es gibt keine Heizung und so oft es geht, gehe ich raus, da es dort wärmer ist. Dafür klappt es super mit meiner Mitbewohnerin, einer Deutschen, die an der selbe Hochschule studiert hatte und jetzt dann für 6 Monate hier ein Praktikum macht. Ich bin weitestgehend Gesund - eben abgesehen von einer Erkältung wegen der Kälte. Freunde laden mich ein auf Feste, zB zu "Mara T'aqa":

Am Donnerstag hat das neue Jahr nach Aymara Kalender angefangen (das Jahr 5520). Wir sind hoch, nach Tiwanaku, gefahren um dort mit vielen, vielen anderen zu feiern. Der Bus hat La Paz gegen 23Uhr verlassen und ein paar Stunden und einige Getränke "gegen die Kälte" später waren wir dort. Es wurde getanzt bis zum Sonnenaufgang. Damit die Sonne nach der längste Nacht im Jahr wieder aufgeht, sind Tänze und andere Opfer notwendig.... Zum Sonnenaufgang sind wir zu den Ruinen der alten Tempel gegangen und hinter dem Berg ist dann die Sonne aufgegangen und alle haben ihr die Hände entgegen gestreckt um ihre Energie zu empfangen - für mich war die Wärme in dem Moment wichtiger. Es war so kalt,  dass wir unsere Füße bald nicht mehr gespürt haben. Und kurz danach sind wir wieder in die Busse gestiegen und durch das Altiplano zurück nach La Paz gefahren.

Für Freitag Abend hatten mich dann andere Freunde zu einer Geburtstagsparty nach El Alto eingeladen. El Alto ist die inoffizielle Hauptstadt von Bolivien. Sie grenzt direkt an La Paz an, ist aber größer und höher (3.850 bis 4.150m), kälter und für unseren Präsidenten Evo wichtiger als La Paz. Außerdem geht´s da sozial ziemlich heftig zu, was Prostitution, Drogen, Handel, Armut usw angeht. Kurzgefasst: Es ist nicht besonders sicher dort oben - eventuell noch weniger für Gringos in der Nacht (Gringos sind hier die US-Amis, bzw. solche, die kein Spanisch sprechen, bzw. die Weißen, bzw. ich). Ich bin trotzdem hochgefahren. Meine Bekannten habe mich hier abgeholt und hinterher wieder zurückgebracht. Es ging alles gut.

Aber es ist nicht alles gut hier. Letzte Woche gab es Kämpfe in La Paz zwischen Polizei und Polizei. Es wurden Unterlagen und Computer zerstört. Es gibt aber auch andere Demos - jeden Tag. Und viele gehen bei uns am Haus vorbei. Hauptsächlich liegt es wohl daran, dass die Lebenshaltungskosten steigen, aber die Löhne nicht. Und in Bolivien wird Politik auf der Straße gemacht. Also Demos ohne Ende.
Vorgestern, nach dem es in Paraguay den "kalten Putsch" gab, habe ich mit Freunden aus Spanien, Brasilien und Guatemala geredet und wir haben überprüft, ob wir wissen, wo unsere jeweiligen Botschaften sind. Also, ganz so schlimm ist es noch nicht, dafür spannend :)

Jetzt noch mal zurück zu mir: Ich werde mit dem Spanischunterricht aufhören und ein Monitoringsystem für ein Projekt in Bolivien und Chile überarbeiten. Das ist ganz gut, weil es etwas auf meine Erfahrung von Indien aufbaut und ich so noch etwas sinnvolles in meinen letzten 4 Wochen (!!!) in Bolivien machen kann! Ansonsten genieße ich das Leben und die Stimmung hier, wir werden nämlich auch immer mit Musik beschallt von Aktivisten die da unten auf der Straßen campen um an die Opfer politischer Gewalt, bzw Diktaturen zu erinnern - dabei läuft fast immer nur dieses Lied! (So könnt ihr etwas teilhaben an meinem Leben hier. Fotos kommen nach - das Internet ist zu langsam....)

Liebe Grüße und bis viel zu bald! ;-)
Moema

PS: Wer noch was anderes von hier hören will: llora me llama ist grad der absolute Hit hier, hört man immer und überall!


Samstag, 9. Juni 2012

Tage wie dieser...

Als ich heute morgen aufgewacht bin, habe ich nicht im Traum daran gedacht, was so alles passieren könnte!

Ehrlich gesagt bin ich aufgewacht und es ging mir nicht so gut, da ich mit meinen Gedanken bei der Familie und den Freunden eines Freundes war, der vor kurzem verstorben ist.

Ich hatte trotzdem, wie immer, meine 2h Spanischunterricht am Vormittag. Dabei gab es ein paar Auseinandersetzungen mit meinem Lehrer, da er total blöde Beispielsätze gebracht hat und ich meinen Mund nicht halten konnte. Aber auch dadurch konnte ich etwas lernen.

Zur Mittagszeit war ich wieder in der Wohnung. Derzeit wohnt eine andere Deutsche mit mir hier. Sie ist am Mittwoch angekommen und wir kannten uns schon ein bisschen vom Studium. Sie wird die nächsten Monate ein Praktikum hier in der Nähe machen. Jedenfalls haben wir uns spontan mit einer ihrer "Kontaktpersonen" und 2 anderen von ihrem Praktikum zum Essen getroffen. Das war ein bisschen komisch, da wir die noch nicht ganz einschätzen können. aber es war besser als wir dachten.

Von da aus wollten wir dann hoch ins Zentrum laufen um einen Pulli und Postkarten zu besorgen. Unterwegs sind wir in eine Demo gekommen. Die waren gerade dabei ein Eingangstor zu sprengen, um an das verantwortliche Büro zu gelangen. Immer, wenn alle anderen sich die Ohren zu gehalten haben, haben wir es auch gemacht. War besser so. Wir waren gerade lange genug da um mit dem Mob (!) vor der anrückenden Polizei zu fliehen. D.h. ich weiß jetzt wie unangenehm Tränengas ist. Und es ist echt blöd mit tränenden Augen zu laufen und nicht zu wissen, ob es besser ist in Richtung Polizei oder weg von ihnen zu rennen. Außerdem ging es bergauf, und das auf ca. 3500m Höhe.

Nach einer Pause etwas weiter weg, sind wir dann doch weiter ins Zentrum gegangen, dort haben wir einer äußert interessante Kundgebung mitbekommen. Viele, viele Männer saßen und Standen auf dem Plaza und haben anfangs drei Rednern zugehört, die etwa in der Mitte auf den Stufen standen. Die ganzen Männer (>100!) waren still und versuchten die Redner zu verstehen. Uns fiel das Verstehe sehr schwer, da zum Teil auch auf Aymara geredet wurde. Danach gab es Bemerkungen aus dem Publikum. Aber immer einer nach dem anderen. Diese Diskussion hat besser funktioniert als die in manchen Seminaren in der Hochschule! Es war bewundernswert! 
(Mehr zu dem Thema der Demo/Kundgebung hier)

Von dort sind wir doch noch weiter hoch ins Zentrum. Haben uns das viele Fleisch auf den Märkten angeschaut, Coca-Blätter gekauft, ein komisches, leckeres Getränk ausprobiert und uns mit Frauen auf dem Markt unterhalten.

Von dort ging es weiter zum Open-Air-Theater. Wir wollten zu einem Konzert, dass war uns dann aber doch zu teuer und auch schon wieder zu kalt. Also ging es weite Richtung Kino. Wir hatten aber noch Zeit um zwischen drin etwas zu Essen, um etwas auszuruhen und um wieder zu Kräften zu kommen. Der Film hinterher war so schlecht und wir so müde und das Kino so kalt, dass wir nach kurzer Zeit Heim gegangen sind. 

Und jetzt ist es am Gewittern. (Wie gut, dass wir nicht zu dem Konzert gegangen sind!) Aber ein Gewitter in La Paz ist eine ganz neue Erfahrungen, weil der Donner hallt.

Ich liebe diese Stadt! 

Morgen geht's auf Wohnungsuche mit der anderen Deutschen zusammen - mal schauen, was sonst noch passiert..... Aber jetzt muss ich erst mal schlafen!

Was für ein Tag....

Mittwoch, 6. Juni 2012

Gran Poder, Tiwanaku, Deathroad und wie es weiter geht

Hola, ¿como estás?

Ich bin jetzt erst mal Umgezogen, letzten Freitag um genau zu sein. Seit dem wohne ich in La Paz bei einem Freund. Das Gute daran ist, dass die Wohnung ziemlich zentral liegt und er viel unterwegs ist. Ich wohne also fast alleine hier :)

Aber jetzt erst mal noch meine letzten Erlebnissen!
Vor einer Woche war ich mit Freunden in Tiwanaku, also ein paar alte Steine und Ruinen anschauen. Das war ziemlich interessant, eine sehr alte Kultur und mit einem erstaunlichen Wissen. Ich habe zwar nicht alles verstanden (wir haben zu lange Mittag gegessen und dann mussten wir eine ganz schnelle Führung machen und dazu reichte mein Spanisch noch nicht ganz), aber es war trotzdem beeindruckend.

2 Tage später bin ich dann von La Paz wieder nach Coroico. Doch dieses mal nicht mit dem Auto sondern mit dem Fahrrad. Es geht auf 4600m Höhe los, erst eine Stunde auf dem Asphalt und dann 3h  Schotterweg. Insgesamt etwa 3600m bergab. Am nächsten Tag haben mir die Hände weh getan vom vielen Bremsen. Aber es war super! Ich hatte das Gefühl, mich endlich mal wieder etwas austoben zu können. Außerdem hatten wir super Wetter und sind nur nass geworden, als wir durch einen Wasserfall durch fahren musste. Deathroad - mit dem Fahrrad ist sie nicht so gefährlich. Ich glaub, so ist das letzte mal im Jahr 2009 eine Touristin gestorben. Allerdings haben wir noch Reste von einem Auto gesehen, was vor 14 Tagen vom Weg abgekommen ist und ziemlich tief runter gefallen ist. Außerdem war es interessant von dem Berg oben bis runter auf etwa 1200m Höhe zu fahren, das Klima ist ganz anders.

So, was war letzte Woche noch? Ach ja, ich bin dann ja Freitag nach La Paz umgezogen, unter anderem, weil es nicht mehr wirklich was zu tun gab in Coroico und weil es ziemlich schwierig war, Kontakte zu knüpfen. Liegt wohl mit an der Kultur. Ist nicht so einfach mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen. Und alle sagen, dass es in anderen Regionen von Bolivien einfacher ist. Je weiter weg von den Anden und der Höhe, desto offener sind die Leute ("typischer lateinamerikanischer"). Wie auch immer, ich war ziemlich enttäuscht (was wohl mit an meinen Erwartungen lag) und denke es liegt auch etwas an dem Kulturschock. Ach, ist das schön, wenn man über so etwas schon mal eine Bachelorarbeit geschrieben hat und es doch wieder erlebt! :)

Samstag war ich dann auf einem Straßenfest in La Paz (alleine, weil mich meine "Freunde" wieder haben sitzen lassen). Es war toll! So viele Menschen, super Wetter, viel Musik und Tanz. Gran Poder heißt das Fest und ist ähnlich wie Karneval. Allerdings liegen die Ursprünge in Oruro (Bolivien) und die Tänze, Musik und Kostüme erzählen etwas von der Geschichte Boliviens (was ich jetzt nicht weiter ausführen werde). Das Fest ging von morgens um 7 bis zum nächsten morgen. Ich saß ein paar Stunden auf einer Tribüne und habe mir den Umzug angeschaut und dann war ich abends noch mal ein paar Stunden auf der Straße bei den anderen vielen Menschen.

Gestern war ich mit ein paar anderen "Gringos", die für ein paar Jahre hier arbeiten, im Kino. Ein alternatives Kino, gestern mit Kurzfilmen aus aller Welt, kostenlos. War gut, auch wenn manche etwas komischen waren, konnten wir bei anderen mal wieder richtig gut lachen.

Und wie geht's weiter? Ich habe mich entschlossen jetzt die nächste Zeit ganz intensiv Spanisch zu lernen. Da es gerade keine Projekte gibt musste ich mich zwischen Spanischunterricht und Reisen entscheiden. Da ich aber so gut hier wohnen kann und es noch viel zu entdecken gibt in La Paz habe ich mich fürs Lernen entschieden. Außerdem kann ich die Zeit jetzt auch nutzen um noch ein paar Bewerbungen zu schreiben (oder für meine letzten Hausarbeiten....).

So, jetzt hier noch der Link zu den Fotos von der letzten Woche:  http://www.flickr.com/photos/60313100@N06/

Saludos,
Moima (so nennen dich mich hier fast alle)