Sonntag, 28. Dezember 2014

It has been a little while…



… since my last post. Und es ist einiges und nichts passiert.

Dafür gibt es mehrere Gründe, vor allem aber liegt es am Regen. Die Ueberschwemmungen sind zum Teil so heftig, dass die Straßen gesperrt und Brücken nicht mehr befahrbar sind. Deswegen fahren auch Busse und Züge nicht immer und nicht mehr überall hin.
Aber gut, was ist passiert? Ach ja, es war ja Weihnachten. Der 24. war hier ein ganz normaler Tag, wir haben ein weiteres überschwemmtes Dorf besucht und kamen dort nur mit dem Boot hin. Ein Mann hat uns sein Haus gezeigt. Da das Dorf in der Nähe des Meeres ist, wurde es vom Tunsami zerstört. NGOs haben ihnen daraufhin Häuser gebaut. Die Fischerfamilien (also alle) haben viel Hilfe bekommen in der schweren Zeit damals. Dieser Mann hat sich jetzt etwas bei mir beschwert. Er hat der NGO geschrieben und auch der Regierung, aber sie reparieren sein Dach nicht. Ich sollte Fotos machen und dann Hilfe schicken. Es hat mich traurig gemacht, dies zu erleben. Der Mann kam nicht auf die Idee selbst sein Dach zu reparieren oder für die Reparatur zu zahlen. Er ist zu sehr daran gewöhnt immer kostenlos Hilfe zu bekommen von Menschen, die es gut meinen. Seine Familie tat mir Leid. Er war alkoholisiert und aufdringlich.

Später waren wir shoppen, weil die Menschen sich hier zu Weihnachten neue Klamotten leisten. Auf 24Uhr sind wir zu einer befreundeten Familie gefahren und haben dort Kuchen gegessen, außerdem gab es Feuerwerk, aber nicht viel, es ist bei Regen einfach nicht so schön.
Am 25. ging es zum Gottesdienst und dann war im Prinzip wieder ein normaler Tag. Essen, chillen und ein bisschen Strand (im Regen).

Am 26. ging es zu einer Geburtstagsfeier, ein Mädchen wurde 1 Jahr alt, und dass wird hier groß gefeiert. Es kam auch ein Fotograph und jeder, der ein Geschenk hatte, wurde mit der Familie abgelichtet. Außerdem gab es Essen für alle. Es war sehr stürmisch an dem Tag, was mich daran erinnerte, dass der Tsunami jetzt 10 Jahre her ist.
Für die Menschen hier ist das nichts besonders. Da danach der Krieg viel schlimmer war. Außerdem ist da ein großer Unterschied, ob Leid durch die Natur kommt oder durch Menschen gemacht ist.

Gestern waren wir in der naechst grosseren Stadt, Batticaloa. Normalerweise 1h mit dem Bus, aber wegen der Überschwemmung mussten wir einige Umwege fahren. Es war sehr schön, noch mehr vom Land zu sehen.
Und heute ist wieder Sonntag, ich bin bei meiner Sonntagsfamilie und können nichts machen, da alles überschwemmt ist.
Ich musste in letzter Zeit einiges bezüglich dieser Zeit hier neu definieren. Ich hatte es mir einfach anders vorgestellt. Aber nun bin ich dankbar fuer die Erfahrungen die ich hier machen kann und es ist einfach Urlaub! Was kann “Regenzeit” fuer die Menschen bedeuten? Was macht das mit dem Alltag? Einfach nur rum sitzen, weil man nichts tun kann – das ist ziemlich schwer für mich. Und wie gehe ich damit um, wenn ich einfach nichts davon verstehe, was um mich herum passiert? Wie baue ich in 2 Wochen Beziehungen auf, die ich als Beziehungsmensch unbedingt brauche, wenn ich nicht kommunizieren kann und weiss, dass ich bald wieder weg bin?
Ach und so vieles mehr….
Nasse Gruesse,
Moema

waiting for the babyboy

my after church family

Pradeep...

hmmm

christmas at the beach

Mittwoch, 24. Dezember 2014

To go out for a walk…


 
…. ist eher etwas deutsches. Die Menschen hier zumindest kultivieren diese Aktivitaet nicht. Aber da ich sonst kaum dazu komme mich zu Bewegen, muessen ein paar es hier jetzt auch machen. Alleine draussen rumlaufen kann ich noch nicht.  

Aber eine Situation habe ich kennen gelernt, wo die Menschen hier freiwillig spazieren gehen und man dann auch einige draussen auf der Strasse sehen kann. Wenn es naemlich viel geregnet hat, dann geht man schauen, wie es so aussieht. Und manchmal geht es auch gar nicht anders, als zu gehen, da die Tuktuks und Motorraeder nicht fuer so einen hohen Wasserstand auf der Strasse gemacht sind. Wir sind gestern nur die Hauptstrasse entlang gelaufen, die geteert ist. Es war noch machbar, aber bei den Nebenstrassen waren die Menschen zum Teil bis zum Bauch im Wasser. Die Hausser sind ueberschwemmt und wieder gibt es eine Notunterkunft in der Schule.





Ausserdem haben wir noch ein weiters Dorf besucht. Auch da stand das Wasser teilweise in den Haeusern, aber Nachbarn haben ausgeholfen. Im Gespraech mit ein paar Frauen und Kindern habe ich erfahren, dass auch hier die Schule nicht so besonders gut ist. Zum einen muessen die Kinder 30 min laufen, bis sie dort sind und zum anderen versuchen die Lehrer einfach nur Pruefungsstoff zu behandeln. Gerade bei Englisch ist das ein Problem, sie wissen, dass Englisch wichtig ist. Die Lehrer bringen ihnen nur Vokablen und Grammatik bei, nicht aber das Sprechen. Selbst die Lehrer koenne es oft nicht. Nachhilfe kostet soviel, dass die meisten es sich nicht leisten koennen. In dem Dorf gibt es eine Communityhall, erbaut von Worldvision. Der Raum kann fuer Dorfversammlungen usw genutzt werden. Auch fuer Nachhilfe. Das Projekt STEPS moechte auch hier Conversation Classes anbieten, so dass die Kinder Englisch reden lernen koennen. Doch noch fehlt es an Lehrern, bzw. Freiwilligen, die das machen. Denn es soll auch fuer die aermeren Familie moeglich sein, die Kinder dort hin zu schicken, deswegen wollen sie nichts dafuer verlangen. Der Raum ist da. Kinder auch. Nur fehlt die Lehrkraft.

Community Hall

Wasser....

Besprechung mit Kindern und Frauen


Dann waren wir gestern abend noch Shoppen mit einer anderen Familie. Ich mag es, nachts auf dem Motorrad mit zu fahren und das Leben zu beobachten, oder im Shop das Einkaufen zu beobachten, ohne das ich selbst etwas kaufe.
Danach sind wir noch zu einer Baekerei gefahren, bei der ich letztens schon mal ein bestimmtes Brot gesucht hatte, und sie meinten dann, dass sie es mir auf heute machen. Da bin ich mal gespannt! Gestern war wirklich ein schoener Tag!

Und heute, wo in Deutschland Weihnachten gefeiert wird, ist hier ein ganz normaler Tag. Obwohl auch hier ein Weihnachtsbaum steht, der fuer meinen Geschmackt aber zu blinkend und bunt ist. Egal… es ist sowieso zu warm fuer Weihnachten. Aber es regnet heute kaum! Deswegen konnte ich endlich Waesche waschen, in der Hoffnung, dass sie auch trocken wird! :)

Gruesse in die weihnachtliche Heimat!!
Moema

Montag, 22. Dezember 2014

Rain, Rain, and even more Rain

So lassen sich die letzten Tage zusammenfassen: Regen, Regen und noch mehr Regen.

Was macht das mit mir? Ich bin etwas genervt. Gut, so habe ich etwas Zeit zum lernen, gluecklicherweise habe ich meine Studienunterlagen dabei. Und ich kann mit Dickson spielen. Ich kann beim Kochen zuschauen und ich kann manchmal bei kleinen Ausfluegen mit, wie zum Beispiel zur Schneiderin (Leider vermute ich, dass sie meine Erklaerungen nicht ganz verstanden hat – ich bin gespannt, was sie aus meinem Stueck Stoff macht!)
Aber zugegeben, heute frueh, als es einfach immer noch geregnet hat, war ich kurz davor meine Sachen zu packen und auf die anderen Seite des Landes zu fahren (die Insel hat ungefaehr die Groesse Bayerns und drueben ist kein Regen).
Nun, ich bin geblieben und es hat sich gelohnt! Aber jetzt erst noch mal zu den gestern.

Sonntag:  Ich bin mit in den Gottesdienst gegangen. Es war furchtbar. Was aber hauptsaechlich daran lag, dass ich nichts verstanden habe. Also sass ich 2 Stunden rum und der Pastor hat vorne rumgeschrien (seine Art zu Predigen). Aber danach wurde es noch richtig schoen, da ich mit zu einer anderen Familie gegeangen bin, die Schwester meiner Hausmama. Und die Schwester erwartet jederzeit ihr erstes Baby. Es war echt spannend, sich mit ihr und ihrem Mann und den Neffen im Haus zu unterhalten, sie konnten fast alle Englisch. Ansonsten kann ich hier auch eher keine Gespraeche fuehren, die ueber den Alltag hinaus gehen. Sprache ist halt doch wichtig fuer die Kommunikation.

Heute morgen ging es dann zu der Scheiderin. Und am Nachmittag haben wir noch mal einen Ausflug zu dem Zentrum gemacht wo ich schon mal kurz war. Dieses mal haben wir uns jedoch das Dorf dort angeschaut.
Angefangen haben wir bei der Schule. Dort leben derzeit  ca. 64 Familien. Die Frauen und Kinder in der “Aula”, die Maenner in den Klassenzimmern. Die Schulen hier sind etwas anders als in Deutschland. Die Zimmer sind alle offen, es gibt keine Fenster, sondern es fehlt einfach ein Stueck Mauer.

Was machen die Familien da? Sie fliehen vor dem Wasser. Meine negative Gedanken von heute morgen haben mich ploetzliche etwas beschaemt. Ok, es war nervig fuer mich, mein Urlaub hatte ich mir anders vorgestellt und ja, ich war kurz vorm gehen. Aber, halt! Diese Familien habe ihre Haeuser wegen dem Regen verlassen muessen. Seit 3 Tagen sind sie in der Schule. Sie liegen auf Tuechern, die ihnen als Betten dienen. Keine Privatesphaere. Und keine Ahnung, wann sie ihre Haeuser wieder nutzen koennen. Bei mir geht es nur um meinen Urlaub….

Ein paar Frauen haben fuer einige gekocht. Die meisten sassen einfach rum. Die Kinder haben zum Teil gepielt, im Wasser. Diese riesen Pfuetze wurde auch beispielsweise fuer das Abwasser vom Kochen genutzt, oder von den kleinen Jungs als Toilette. Insgesamt sah das Dorf in Ordnung aus. Es gab neben der Schule (1.-5. Klasse) auch eine Vorschule, einen Hindutemple, feste Bruecken ueber den kleinen Bach (der jetzt natruerlich ein See war und die Bruecken zwar trocken waren, aber da musste man erst mal drauf kommen). Die Strasse im Dorf selbst ist eine Erdstrasse. Der Weg ins Dorf scheint sonst ok zu sein. Nur diesemal kamen wir nicht wirklich hin, da eine Brueke nicht mehr befahrbar war, und beim Umweg wurde die Teerstrasse aufgerissen. Unten drunter verlief eine Wasserrinne und die war verstopft, deswegen hat man oben drueber den ganzen Teer aufgerissen. (Das ist hier leider keine Seltenheit…)

Wie geht es jetzt weiter? In einem Buch habe ich letztens gelesen “Die meisten guten Dinge fangen mit ein bisschem schlechten Gewissen an, aber sie bleiben dort nicht stehen.” 

Ehrlich gesagt, ich weiss nicht, wie es weiter geht. Ich war dort und habe mir die Situation angeschaut. Ich weiss, dass die Organisation STEPS hier aktiv ist und Nothilfe in diesem Fall leistet. Was ist mein Part hier vor Ort? Wo ich doch nur die Haelfte mitbekomme von dem was ablauft und davon wahrscheinlich auch noch einiges falsch verstehe. Ich kann nicht kommunizieren und auch sonst nicht viel. Aber was ist das kleine bisschen was ich machen kann? Mutter Theresa sagte einst, und in meiner aktuellen Situation bin ich dazu geneigt ihr zuzustimmen: “Wir koennen keine grossen Dinge tun, nur kleine mit grosser Liebe. Es geht nicht darum wie viel man tut, sondern mit wie viel Liebe man es tut.” Was kann ich tun? Oder stelle ich eine ganz falsche Frage? Wie muesste meine Frage sonst lauten?


Dorfstrasse.


Hof und Haus einer Familie.
Frauen beim Kochen hinter dem Schulgebaude.


Notunterkunft Schule I.

Notunterkunft Schule II.
Vorschule.
Typischer Garten (jetzt See).
Kuh bei Nacht :)


Jetzt gehe ich schlafen. Und ich bin gespannt, was der morgige Tag bringt!

Gruesse,
Moema

PS: Die Frage, was mein Part hier und jetzt ist, ist nicht rethorisch. 
PPS:  Es gab Brot zum Abendessen, zum ersten Mal habe ich wieder Brot gegessen, seit dem ich hier bin. Und da ich Nutella mitgebracht habe, gab es sogar Nutellabrot!