So lassen sich die letzten Tage zusammenfassen: Regen, Regen und noch mehr Regen.
Was macht das mit mir? Ich bin etwas genervt. Gut, so
habe ich etwas Zeit zum lernen, gluecklicherweise habe ich meine
Studienunterlagen dabei. Und ich kann mit Dickson spielen. Ich kann beim Kochen
zuschauen und ich kann manchmal bei kleinen Ausfluegen mit, wie zum Beispiel zur
Schneiderin (Leider vermute ich, dass sie meine Erklaerungen nicht ganz
verstanden hat – ich bin gespannt, was sie aus meinem Stueck Stoff macht!)
Aber zugegeben, heute frueh, als es einfach immer noch
geregnet hat, war ich kurz davor meine Sachen zu packen und auf die anderen
Seite des Landes zu fahren (die Insel hat ungefaehr die Groesse Bayerns und drueben ist kein Regen).
Nun, ich bin geblieben und es hat sich gelohnt! Aber
jetzt erst noch mal zu den gestern.
Sonntag: Ich bin
mit in den Gottesdienst gegangen. Es war furchtbar. Was aber hauptsaechlich
daran lag, dass ich nichts verstanden habe. Also sass ich 2 Stunden rum und der
Pastor hat vorne rumgeschrien (seine Art zu Predigen). Aber danach wurde es
noch richtig schoen, da ich mit zu einer anderen Familie gegeangen bin, die
Schwester meiner Hausmama. Und die Schwester erwartet jederzeit ihr erstes
Baby. Es war echt spannend, sich mit ihr und ihrem Mann und den Neffen im Haus
zu unterhalten, sie konnten fast alle Englisch. Ansonsten kann ich hier auch eher keine Gespraeche fuehren, die ueber den Alltag hinaus gehen. Sprache ist halt doch wichtig fuer die Kommunikation.
Heute morgen ging es dann zu der Scheiderin. Und am
Nachmittag haben wir noch mal einen Ausflug zu dem Zentrum gemacht wo ich schon
mal kurz war. Dieses mal haben wir uns jedoch das Dorf dort angeschaut.
Angefangen haben wir bei der Schule. Dort leben derzeit
ca. 64 Familien. Die Frauen und Kinder in der “Aula”, die Maenner in den
Klassenzimmern. Die Schulen hier sind etwas anders als in Deutschland. Die
Zimmer sind alle offen, es gibt keine Fenster, sondern es fehlt einfach ein
Stueck Mauer.
Was machen die Familien da? Sie fliehen vor dem Wasser. Meine negative Gedanken von heute morgen haben
mich ploetzliche etwas beschaemt. Ok, es war nervig fuer mich, mein Urlaub
hatte ich mir anders vorgestellt und ja, ich war kurz vorm gehen. Aber, halt!
Diese Familien habe ihre Haeuser wegen dem Regen verlassen muessen. Seit 3
Tagen sind sie in der Schule. Sie liegen auf Tuechern, die ihnen als Betten
dienen. Keine Privatesphaere. Und keine Ahnung, wann sie ihre Haeuser wieder nutzen
koennen. Bei mir geht es nur um meinen Urlaub….
Ein paar Frauen haben fuer einige gekocht. Die meisten
sassen einfach rum. Die Kinder haben zum Teil gepielt, im Wasser. Diese riesen
Pfuetze wurde auch beispielsweise fuer das Abwasser vom Kochen
genutzt, oder von den kleinen Jungs als Toilette. Insgesamt sah das Dorf in Ordnung aus. Es gab neben der Schule (1.-5. Klasse) auch eine Vorschule, einen
Hindutemple, feste Bruecken ueber den kleinen Bach (der jetzt natruerlich ein See war und die Bruecken zwar trocken waren, aber da musste
man erst mal drauf kommen). Die Strasse im Dorf selbst ist eine Erdstrasse. Der
Weg ins Dorf scheint sonst ok zu sein. Nur diesemal kamen wir nicht wirklich
hin, da eine Brueke nicht mehr befahrbar war, und beim Umweg wurde die
Teerstrasse aufgerissen. Unten drunter verlief eine Wasserrinne und die war
verstopft, deswegen hat man oben drueber den ganzen Teer aufgerissen. (Das ist
hier leider keine Seltenheit…)
Wie geht es jetzt weiter? In einem Buch habe ich letztens gelesen “Die meisten guten Dinge fangen mit
ein bisschem schlechten Gewissen an, aber sie bleiben dort nicht stehen.”
Ehrlich gesagt, ich weiss nicht, wie es weiter geht. Ich
war dort und habe mir die Situation angeschaut. Ich weiss, dass die
Organisation STEPS hier aktiv ist und Nothilfe in diesem Fall leistet. Was ist
mein Part hier vor Ort? Wo ich doch nur die Haelfte mitbekomme von dem was ablauft und davon
wahrscheinlich auch noch einiges falsch verstehe. Ich kann nicht kommunizieren
und auch sonst nicht viel. Aber was ist das kleine bisschen was ich machen
kann? Mutter Theresa sagte einst, und in meiner aktuellen Situation bin ich
dazu geneigt ihr zuzustimmen: “Wir koennen keine grossen Dinge tun, nur kleine
mit grosser Liebe. Es geht nicht darum wie viel man tut, sondern mit wie viel
Liebe man es tut.” Was kann ich tun? Oder stelle ich eine ganz falsche Frage? Wie muesste meine Frage sonst lauten?
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| Dorfstrasse. |
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| Hof und Haus einer Familie. |
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| Frauen beim Kochen hinter dem Schulgebaude. |
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| Notunterkunft Schule I. |
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| Notunterkunft Schule II. |
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| Vorschule. |
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Typischer Garten (jetzt See).
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| Kuh bei Nacht :) |
Jetzt gehe ich schlafen. Und ich bin gespannt, was der morgige Tag bringt!
Gruesse,
Moema
PS: Die Frage, was mein Part hier und jetzt ist, ist
nicht rethorisch.
PPS: Es gab Brot zum Abendessen, zum ersten Mal habe ich wieder Brot gegessen, seit dem ich
hier bin. Und da ich Nutella mitgebracht habe, gab es sogar Nutellabrot!